Einer für alle, alle für einen?
Wie viel Liberalismus verträgt der Mensch?
Unser gesellschaftliches Leben hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Im folgenden Bericht werde ich darauf eingehen und euch für die Vorgänge in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren versuchen.
Ihr habt doch sicherlich auch schon mal ein Referat in der Schule gehalten.
Aus welcher Motivation heraus habt ihr das getan? Bestimmt nicht nur, um euren Mitschülern etwas Lehrreiches zu vermitteln, vielmehr auch, damit ihr persönlich eine gute Note und die wohlwollende Aufmerksamkeit des Lehrers erhaltet. Das zeigt im Kleinen, was viele im Großen perfekt beherrschen. Der Liberalismus hat sehr erfolgreiche Arbeit geleistet, jeder sieht im anderen nur noch den Feind oder den Ballast, den es abzuschütteln gilt.
„Jeder ist sich selbst der nächste“, ist der Leitspruch unserer Gesellschaft geworden, in der Charakterstärken wie Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Verständnis keinen Stellenwert mehr haben. Egoisten in Reinform. Die Gedanken an das, was jeden einzelnen von uns mit anderen Landsmännern und -frauen verbindet, wem wir das Wissen und die Grundlagen unseres intellektuellen Lebens und Wohlstandes zu verdanken haben, gelten heute leider meist als verschwendet. Viel zu schnellebig ist die Zeit geworden, um sich mit Dingen der Landeshistorie zu befassen. Viel zu gefährlich ist der tägliche Daseinskampf, als das man sich mit gemeinsamen kulturellen Wurzeln beschäftigt. Wir drehen uns nur noch um die eigene Achse und bemerken gar nicht, daß sich unsere sozialen Bindungen auflösen.
Aber was verbindet uns mit anderen Menschen gleicher Herkunft?
Das Wort Erbe verliert in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung, es ist aber das Schlüsselwort. Gemeint sind die gemeinsamen Sitten und Gebräuche, die Normen und Werte und die Kultur, die uns unsere Zugehörigkeit zu einem Volk fühlen lassen.
Der Liberalismus ist bestrebt, diese Gemeinsamkeiten auszulöschen. Die Interessen jedes Einzelnen werden über die Interessen des Volkes gehoben. Warum aber existiert diese politische Strömung überhaupt, da sie doch offensichtlich höchst schädlich für alle Menschen ist? Wie und warum hat sie sich entwickelt?
Die Lateiner unter uns kennen die Herkunft des Wortes, das von liberalis, zu deutsch die Freiheit betreffend, abgeleitet wird. Ab dem 16. Jahrhundert findet man den Begriff im deutschen Sprachgebrauch im Sinne von großzügig und wohlmeinend. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Begriff in Deutschland politisiert. Ausgelöst wurde diese Umbedeutung durch die französische Revolution. Als Liberale wurden Gegner des bestehenden Systems bezeichnet, die sich für die Reformierung und für eine neue Gesellschaftsordnung eingesetzt haben. Diese alte Gesellschaft war geprägt durch ein ständisches System, durch eine doktrinäre Kirche und den Absolutismus. Der Einzelne konnte seine Fähigkeiten nicht entfalten, für ihn waren sein Leben und sein beruflicher Werdegang durch die Geburt in seine Familie festgelegt. Daher ist es verständlich, dass sich das unterdrückte Volk von äußeren Zwängen befreien wollte.
Leider ist der ursprüngliche Liberalismus zur Ideologie einer Ellenbogengesellschaft mutiert, in der jeder nur noch sich selbst sieht. Keiner denkt mehr daran, dass jedes individuelle Handeln auch immer ein Handeln für oder gegen unser Volk ist.
Ein aktuelles Beispiel zu finden, das die negativen Auswirkungen des Liberalismus deutlich macht, ist nicht allzu schwer. Unser Oberbürgermeister stellt sich an die vorderste Front. Er ist ein guter Schüler des Liberalismus gewesen und beherrscht seine Regeln gekonnt. Wie kann ein politisch gewählter Mensch auf Kosten der Allgemeinheit verreisen, ohne einen dienstlichen Grund dafür anzugeben? Dieses Phänomen ist in Köln unter dem Stichwort „Lustreisen“ bekannt geworden. Ich frage mich ernsthaft, wie dieser Mann nachts noch schlafen kann, wo er doch weiß, wie nötig die Straßen, öffentlichen Plätze und Einrichtungen einer Sanierung bedürfen? Sicherlich erhält unser Oberbürgermeister von seinem Hausarzt ein gutes Schlafmittel!
Das zeigt, genauso wie die Gammelfleischskandale, der Verkauf von Waffen, Drogen und Alkohol an Minderjährige oder der verbrecherische Umgang mit Arbeiternehmern durch Großkonzerne, dass alle nur noch sich selbst im Blickfeld haben. Wer aber nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, verhält sich langfristig asozial.
Der Patriot stellt nicht in Abrede, dass sich jeder nach seinen Begabungen frei entfalten soll oder ein Mensch sich Wohlstand erarbeiten kann, aber nicht auf Kosten anderer! Die Gedanken an den verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt, den Erhalt unserer Ressourcen für nachfolgende Generationen, die Unabhängigkeit des Landes durch Selbstversorgung und der rücksichtsvolle Umgang mit unseren Mitmenschen dürfen nicht verloren gehen. Gemeinnutz sollte immer vor Eigennutz stehen.
Jeder einzelne von euch ist nicht nur ein Individuum, sondern auch ein Teil eines Ganzen.
Wir haben leider schon viel zu viel von der Droge Liberalismus eingenommen, als daß der Entzug schmerzlos vorrübergehen wird. Aber jeder einzelne kann sein Verhalten überprüfen und es gegebenenfalls ändern. Seid ihr zu anderen Mitmenschen stets freundlich und hilfsbereit? Achtet ihr anderer Menschen Eigentum? Geht ihr mit der Umwelt sorgsam um? Haltet ihr euch an vereinbarte Abmachungen?
Denkt immer daran: so wie Ihr behandelt werden wollt, so geht auch mit anderen um!
„In einer Welt, in der nichts mehr wirklich wichtig ist, in der man tun kann, was man will, besteht die Gefahr, das Prinzipien, Wahrheiten und Werte, die in Jahrhunderten mühsam erworben wurden, auf die Müllhalde eines übertriebenen Liberalismus gekippt werden.“
Johannes Paul I.
